Ironman 70.3 Dallas

Rennbericht Dallas

Neue Saison, neues Ich. Alles ist anders, alles ist besser – und ich bin bereit.

Vor meinem ersten Rennen hatte ich Zweifel. Verpasste Trainingsstunden, unruhige Nächte und der Alltag mit einem zwei Monate alten Baby sind alles andere als ideale Voraussetzungen für eine Spitzenleistung. Die Trainingskonstanz war in den letzten Wochen da, aber einige entscheidende lange Einheiten haben gefehlt. Nicht optimal.

Aber wir haben es klug gelöst. Das ist das Verdienst meines Trainers – und auch von mir selbst. Bereits eine Woche vor der Reise haben wir begonnen, uns an die Zeitzone von Dallas anzupassen. Mit einem Neugeborenen ist das alles andere als einfach, vor allem, wenn ich als Vater wirklich präsent sein will. Gleichzeitig gibt es keine bessere Regeneration, als Lou im Arm zu halten und mich in ihrem Blick zu verlieren. Das erdet. Das gibt Perspektive.

Trotzdem blieb die entscheidende Frage: Reicht das?

In der Rennwoche fühlte ich mich gut. Mein Trainer war überzeugt, dass ein Podiumsplatz möglich ist. Ich selbst war vorsichtiger und sah mich eher in den Top 5. Dann kam der Rennmorgen – und mit der Verkürzung der Schwimmstrecke auf 350 Meter änderte sich alles. Durch den Zeitfahrstart und die starken Fahrer vor mir musste ich meine Erwartungen anpassen. Realistisch gesehen ging es jetzt um die Top 10.

Keine Illusionen.

Das Rennen

Zeitfahrstart. Alle fünf Sekunden ein Athlet.

Ich mit Startnummer 12 – eine Minute hinter der Nummer 1 Lionel Sanders. Vor mir nur starke Fahrer. Bei nur 350 Metern Schwimmen und mit Strömung war klar: Das wird keine Aufholjagd im Wasser.

Also: smart racen.

Schwimmen – 350 m

2:46 Minuten.
Mit der Strömung fast schon absurd schnell.

Ich konnte direkt zwei Athleten einsammeln, aber nach vorne klaffte bereits eine Lücke. Der nächste vor mir: ein starker Schwimmer Ben Kanute. Keine Überraschung.

Radfahren

Das Rennen begann in T1.

Ich sah die Gruppe vor mir gerade wegfahren. Entscheidung getroffen: all-in.

Schnell durch die Wechselzone, rauf aufs Rad, Kopf runter und Druck aufs Pedal. Kein Zögern, kein Rechnen – nur ein Ziel: Anschluss herstellen.

Die Wattwerte schossen sofort nach oben. 400 Watt im Schnitt in den ersten Minuten. Komplett überzogen – aber genau das, was es brauchte.

Ich kam näher. Meter für Meter.

Race Ranger zeigte es: orange, blau, dann rot. Ich war dran. Aber das bedeutete auch: überholen.

Also weiter.

Nach 20 Minuten lag der Schnitt immer noch bei rund 380 Watt. Werte, die ich im Training so nicht fahre. Aber es fühlte sich richtig an.

Der grosse Unterschied diesmal: die Verpflegung.

Nicht wie in Nizza. Kein Einbruch. Kein Risiko.

Ich hatte einen klaren Plan: 130 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde. Aggressiv, aber trainiert. Und es ging auf.

Als ich mich bei der Gruppe einreihte, konnte ich mich stabilisieren. Tempo finden, das ich halten konnte – ohne den Lauf zu zerstören. Genau das war heute das Ziel.

Nach vorne verloren wir rund drei Minuten. Ironisch – ziemlich genau das, was sonst die Schwimmer rausholen. Aber heute spielte das keine Rolle mehr.

Laufen

Hier wollte ich es wissen. Ich lief mein Tempo. Kontrolliert. Selbstbewusst. 3:20 pro Kilometer – und es fühlte sich leicht an.

Endlich wieder dieses Gefühl. Nach Jahren. Schnell laufen nach einem harten Radfahren. Kein Krampf, kein Energieproblem. Die Verpflegung sass. Der Körper funktionierte.

Durch den Zeitfahrstart hatte ich keine Ahnung von meiner Position. Aber zum ersten Mal war es mir egal. Ich war zu sehr damit beschäftigt, einfach gut zu laufen.

Dann sah ich Kanute vor mir. Ich kam näher. Schritt für Schritt.

Kurz sah es so aus, als würde ich ihn einholen. Dann stagnierte es. Zehn Sekunden Abstand, nichts bewegte sich. Er fand noch einmal einen Rhythmus. Ich begann leicht zu leiden.

Gleichzeitig war noch Schaufler vor uns – aber früher gestartet. Also die grosse Frage: Wo liege ich wirklich?

Keine klare Antwort. Nur Zurufe von aussen, dass es eng wird. Also wieder: all-in. Die letzten 500 Meter waren brutal. Tunnelblick. Keine Reserven mehr. Über die Ziellinie – und direkt zusammengebrochen.

Das Resultat

3. Platz. Ein Podium. I’m Back. Nach allem – der Krankheit, den Rückschlägen, den Zweifeln – ist das mehr als nur ein Resultat. Es war kein perfektes Rennen. Und streng genommen nicht einmal ein kompletter Triathlon.

Das war das beste Rennen meiner Karriere.

Die Form ist da. Die Verpflegung funktioniert. Und zum ersten Mal seit langem jage ich nicht meiner Form hinterher – ich renne mit ihr.

Game on!